Reise nach Ios, Athen und Mykene

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Ein etwas längerer Artikel über unsere Reise etwas abseits der üblichen Touristenpfade an wunderschöne Strände und beeindruckende Kulturgüter.

Kap Sunion

Los gings an einem Mittwoch. Ein guter Reisetag in Italien in der Ferienzeit, da der „normale“ Tourismusverkehr sich Großteils auf das Wochenende beschränkt. Dafür sind aber mehr LKWs unterwegs.

Und so kamen wir mit nur einem kleineren Stau pünktlich in Ancona an. Aufgrund eines guten Angebotes haben wir uns für Superfast Ferries entschieden. Sehr moderne, große und schnelle Fähren und am billigsten waren sie auch noch.

Die Deckpassage war problemlos, auf unseren Isomatten haben wir sogar ziemlich gut geschlafen und nach 20h war das Schiff auch schon in Patras, einem großen Fährhafen und dem Wirtschaftszentrum Westgriechenlands.

Nach einem kurzen Badeaufenthalt in Xilokastro, einem eher innergriechischen Ferienort, fuhren wir direkt nach Kap Sounion. Beim dortigen Poseidontempel kann man einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Von Piräus fuhren wir über Nacht nach Ios. Die Schiffe von G+A sind allgemein berüchtigt, unser Exemplar war aber ganz besonders laut und dreckig und die PKW-Garage hatte eine extrem steile Auffahrt.

Leider gibt es bei den Kykladenfähren kaum Alternativen. Außer den recht seltenen Bluestar-Schiffen gibt es nur noch die etwa doppelt so teuren (Katamaran) Schnellfähren. Diese sind zudem schnell ausgebucht und nicht alle nehmen überhaupt Autos mit.

Das erste Ziel in Ios nach dem Auffüllen der Wasserkanister (direkt am Hafenparkplatz) und Essensvorräte war der Strand von Agia Theodoti. Aufgrund seiner etwas windgeschützten Lage, der Einsamkeit am Abend und seiner relativ geringen Entfernung zur „Hauptstadt“ (Chora) wurde er zu unserem Stammplätzchen. Etwas oberhalb liegt die Bar Oasis. Eine sehr schöne Anlage incl. Pool, mit freundlicher Bedienung und sehr moderaten Preisen. So soll es sein!

Besonders lecker und vor allem bei heißen Temperaturen zu empfehlen ist das griechische Nationalgetränk, der Frapè. Man nehme 2-3 Teelöffel löslichen Kaffee, dazu etwa die gleiche Menge Zucker und etwas Wasser. Das Ganze wird entweder fest geschüttelt oder verquirlt, bis sich viel Schaum gebildet hat. Dann noch ein paar Eiswürfel hinein und je nach Geschmack auch noch etwas Milch.

Doch nun zu etwas Kultur. Muss auch sein!

In der Chora gibt es ein zwar kleines, aber sehenswertes Archäologisches Inselmuseum. Auf Ios fand man eine recht umfangreiche bonzezeitliche Siedlung und einige Gräber. Eines davon wurde aus marketingtechnischen Gründen Homer untergeschoben, obwohl das Grab etwa 600 Jahre älter ist und die Existenz der Person Homer nichteinmal eindeutig bewiesen werden konnte. Das Grab mit Aussichtsplattform und der Tradition, dass jeder Besucher einen Stein hinlegen muss, ist aber auf jeden Fall die etwas längere Anreise wert.

NICHT Homers Grab

Die Hauptstadt selbst lebt von den Massen an Rucksacktouristen. Die wirklich wunderschöne, man könnte fast sagen klischeehaft griechische, Siedlung ist eine einzige Einkaufsmeile mit Alkohol an jeder Ecke geworden. Bis zum Abend sind die engen Gässchen jedoch fast menschenleer und die meisten Geschäfte bleiben daher geschlossen.

Chora

Kirche

Nach Sonnenuntergang füllt sich die Stadt mit paarungs- und trinkwilligen Jugendlichen, vor allem aus Italien und englischsprachigen Ländern. Tagsüber grillen die Meisten am wunderschönen, etwa 2km langen Milopotas-Strand. Im Inselsüden gibt es noch den als Ausflugsstrand beliebten Manganari-Beach. Der Rest der Insel bekommt vom Trubel nicht besonders viel mit. Nur einige vereinzelte Ausflugsgruppen auf Motorrollern oder ATVs.

Besonders einsam und schön ist der Strand von Kalamos. Das liegt vor allem an der *etwas* schlechten Piste dorthin.

Kalamos

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die alte venezianische Festung Paleokastro. Oder besser gesagt ihre Überbleibsel. Die Rundumsicht ist beeindruckend.

Während unseres Aufenthaltes in Ios kamen wir leider in eine Meltemi-Periode. Der starke Nordwind sorgt zwar für angenehm kühle Temperaturen („only 34°“), macht aber den Aufenthalt auf Sandstränden sehr schmerzhaft.

Wir sind daher einige Tage früher als geplant auf das Festland zurückgekehrt. Die große Autofähre hatte über 3h Verspätung und eine beängstigende Schräglage, wir sind aber gut in Piräus angekommen. Die Tage verbrachten wir in Athen. Der dortige Campingplatz nutzt seine Monopolstellung zwar etwas aus und liegt direkt an einer viel befahrenen Straße, ist aber leider die einzige Möglichkeit in relativer Stadtnähe zu campen.

Einen ganzen Tag widmeten wir uns dem archäologischen Nationalmuseum. Nationalmuseum

Bis zur Schließung um 20:00Uhr haben wir es jedoch nicht annähernd geschafft, allen Ausstellungsstücken die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders beeindruckend sind die Reste des Mechanismus von Antikythera aus dem 1. Jh. v.Chr. Eine technische und mathematische Meisterleistung, die erst etwa 1500 Jahre später übertroffen werden konnte.

Ein ganzes Stockwerk ist voll mit bemalten Vasen aus allen Epochen. Ein guter Teil der Motive würde heute als pornografisch oder gewaltverherrlichend durchgehen, aber die alten Griechen waren da viel weniger konservativ. Deutlich kann man das auch an den Statuen erkennen. Die männlichen (inkl. der Gottheiten!) sind größtenteils komplett nackt, die weiblichen „oben ohne“ und vor allem Aphrodite wird meist ebenfalls unbekleidet dargestellt.

Die Kunstwerke waren übrigens ziemlich bunt – man könnte heute auch kitschig sagen – bemalt. Die Naturfarben sind aber nicht so haltbar wie Marmor und so glaubten viele Generationen an die „klassische Schönheit“ der griechischen Statuen.

Am nächsten Tag versuchten wir vor der größten Tageshitze die Akropolis von Athen zu besichtigen. Dies gelang uns auch recht gut, gegen 09:00 Uhr drängten sich dann aber schon die Touristenmassen auf diesen geschichtsträchtigen Ort. Viel kann man dort jedoch ohnehin nicht sehen, vor allem weil gerade sehr umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Gange sind und man daher fast mehr Eisengerüste als antike Säulen sieht.

Akropolis

Ein paar Meter unterhalb befinden sich die antike Agora, also der Marktplatz. Historisch ist der Ort als Geburtsstädte der Demokratie enorm wichtig, von Reisegruppen wird er jedoch erstaunlicherweise eher gemieden, obwohl eine antike Stoa (eine Art Einkaufshalle) vollständig restauriert wurde, ein teil dient als Museum.

Der Tempel zu Ehren von Hephaistos auf einem kleinen, bewaldeten Hügel, ist zwar viel kleiner als der gewaltige Parthenon auf der Akropolis, er gilt aber als der Besterhaltene Griechenland. Fast unzerstört und in seiner ursprünglichen Form steht er da, nachdem man den „Umbau“ in eine christliche Kirche endlich wieder rückgängig gemacht hat.

Hephaistos

Jeden Sonntag um 11Uhr gibt es eine aufwändig inszenierte Wachablöse der Evzonen vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten auf dem Syntagmaplatz vor dem Parlamentsgebäude.

Der Platz kann vom Akropolishügel aus bequem zu Fuß durch die Athener Altstadt (Plaka) und dem Flohmarkt erreichen. Die Zeremonie dauert etwa eine halbe Stunde und bringt die Soldaten ganz schön ins Schwitzen. Ist ja auch viel besser als sinnlos herumballern…

Evzonen

Die Mittagshitze kann man gut im nagelneuen Akropolismuseum überstehen.

Mit einem Studentenausweis kommt man kostenlos in alle staatlichen Museen Griechenlands. Da sollten sich ein paar andere Staaten mal ein Vorbild nehmen!

Der nationale Ausweis reicht übrigens vollkommen aus, man kann sich die ca. 15€ für den Internationalen Studentenausweis also sparen.

Also zurück zum Akropolismuseum: Die Schlange am Eingang war zwar sehr lang, aber wer keinen Eintritt bezahlen muss, also VIPs und Studenten, kann den 2. Eingang nehmen.

Dann folgten Kontrollen wie am Flughafen incl .Metalldetektor und Gepäckdurchleuchtung. Zumindestens offiziell, das große Taschenmesser und den Wasserflaschen haben dann aber doch niemanden gestört.

Das Museum selbst steht auf Säulen über einer Ausgrabungsstätte und zeigt Originalfunde von der Akropolis und Umgebung, incl. einige Stücke vom Antiken Hafen von Piräus.

Highlight sind die Koren, die das Vordach des Erechtheion auf der Akropolis getragen haben. Viel Raum nehmen auch den Bruchstücken des Dachreliefs des Parthenon ein.

Am nächsten Tag stand nach einem Kurzaufenthalt am Kanal von Korinth (sehenswert!) Mykene auf dem Programm.

Loewentor

Absolut beeindruckend ist natürlich das Postkartenmotiv Nr. 1, das Löwentor, sowie die Kuppelgräber. Ein kleines Museum gibt es auch, aber die „Totenmaske des Agamemnon“, die gar nicht seine war, und andere Kostbarkeiten haben wir bereits im Nationalmuseum bewundert.

Weiter gings dann nach Kap Ireon. Dort kann man mitten in den Überresten des Heraheiligtums baden und vor allem Schnorcheln. Die Unterwasserwelt ist beeindruckend, Gerüchte berichten jedoch von immer wieder auftauchenden Haien.

Kap Ireon

Nach ein paar ruhigen Tagen in der Nähe gings mit der Superfast XI zurück nach Ancona.

3 abwechslungsreiche Wochen gehen zu Ende. Der Campingausbau hat sich hervorragend bewährt. Einige Kommentare dazu und zur Ausrüstung gibt’s in einem extra Artikel.

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